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Die "Weiße Frau" vom Pölziger Schloß
Nacherzählt nach dem Bericht einer 80-jährigen Frau

Noch gar nicht allzu lange ist es her, noch keine 100 Jahre, so erzählten unsere Großeltern immer, da lebte im Pölziger Schlosse eine junge Gräfin, die jedoch fast immer kränklich war. Einst war sie zur Erholung in einem Bade gewesen und brachte eine Pflegerin mit, aber diese, im Volksmund die - Schwarze Marie - genannt, war gar nicht gut zu der jungen Gräfin, ja sehr oft hörte man sie wimmern "O weh Marie" und gar oft soll sie sogar Schläge von der Pflegerin bekommen haben. Niemand wusste, warum sie eine solche Macht über die junge Gräfin besaß, aber es musste wohl etwas sein von welchem beide nicht sprachen. Und eines Tages war dann ganz plötzlich die schöne junge Gräfin tot. Im Volksmunde sagte man sie wäre keines natürlichen Todes gestorben, aber niemand konnte es wissen. Und kaum war sie dann im Mausoleum beigesetzt worden, da sahen es verschiedene Leute, wie nachts die "Weiße Frau" durchs Schloss wandelte und gar manche wollten gesehen haben, wie sie mit einem Kinderwagen daher gegangen kam. Bei hellem Mondenschein kam nun einmal eine Frau von Hirschfeld, wo sie bei ihrer Tochter gewesen war und sich, da diese im Kindbett lag, verspätet hatte. Sie beeilte sich sehr, denn sie wollte noch vor Beginn der Geisterstunde daheim sein. Schon war sie im Pölziger Walde, im sogenannten Schnittmannswege, da schlug die Uhr vom nahen Kirchturm. Zwölf Schläge hallten durch die Nacht. Angstvoll beschleunigte die Frau ihre Schritte. Nicht weit hatte sie mehr, dann war sie im Dorfe. Scheu wagte sie ab und zu nach beiden Seiten zu sehen. Da! Was war das? Schwebte da nicht die gefürchtete weiße Frau heran, gerade auf sie zu? In Todesangst rannte die Frau durch den Wald, doch das weiße Gespenst folgte ihr auf dem Fuße. Schon erhob sie die Hand, nach ihr zu greifen, da bellten im nahen Dorfe, im Winkel, die Hunde, und sogleich zerstob der mitternächtliche Spuk. Leute welche des Weges daher kamen fanden die Frau bewusstlos liegend und brachten sie nach Hause. Lange Zeit lag sie krank im Bett erholte sich jedoch dann wieder. Nachdem das Pölziger Schloss abgerissen wurde ist die weiße Frau dann nicht mehr gesehen worden und hat gewiss nunmehr endlich ihre Ruhe gefunden.